EviEvi Lemberger 19. Juli 2019

Mit den Schätzen der Natur

Karin Autengruber über ihre Arbeit als Kräuterexpertin und Unternehmerin

Jandelsbrunn, 23.09.2017. Karin Autengruber stellte ich mir ganz anders vor. Mit ausgebleichtem Leinenkleid, ungeschminktem Gesicht und langen Haaren – eben ein bisschen öko oder wie man sich halt eine Kräuterexpertin vorstellt. Wie ich mir so jemand vorstellte. Klischees halt.

Karin Autengruber ist blond, hat kurze Haare, trägt dezentes Makeup. Jeanshose, weißes T-Shirt, Schmuck und eine grüne Strickjacke. Sie lächelt viel, nicht laut, ein angenehmes beruhigendes Lächeln, das nie verschwinden zu scheint, selbst als sie sich an ihre – sie sehr prägende Momente in ihrem Leben erinnert. Ihre Stimme ist zart, doch besitzt eine unbändige Energie, als sie von ihren Produkten, ihre Liebe zur Natur, den Pflanzen, den Schätzen, wie sie sagt, und der Liebe zu der Heimat spricht.

Katrin Autengruber verkauft selbstgemachte Lebensmittel, die sie in der Natur findet und ist Kräuterexpertin, gibt Workshops und lehrt Menschen, wie sie mit den Pflanzen aus der Natur umgehen und was sie daraus machen können. Sie hat einen kleinen Laden, ein Anbau ihres Wohnhauses in dem kleinen Dorf Jandelsbrunn, im unteren Bayerischen Wald, ganz am Ende des Dorfes. Nach ihr kommen nur Wiesen und Wälder.

Wie würdest du deine Arbeit beschreiben?

Mit dem Jahreskreislauf der Natur zu leben, aus den Schätzen - den Wildkräutern, die man vor der Haustür hat - etwas machen.

Wie kamst du zu deiner Arbeit als Kräuterpädagogin?

Ich habe schon immer mit der Natur gelebt. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Dann wurde ich Krankenschwester und habe die letzten Jahre an einer Palliativstation im Krankenhaus Waldkirchen gearbeitet. Während meiner Hospizausbildung habe ich schon die ersten Erfahrungen mit Wildkräutern gesammelt. Eine Seminarköchin hat uns gelernt mit Wildkräutern zu kochen. Es hat mich vom ersten Moment an fasziniert.  Eine private Situation - nämlich die Begleitung meiner Großtante bis zu ihrem Tod -  veränderte viel und ermöglichte mir eine berufliche Auszeit.  Nach dieser intensiven Begleitung, kündigte ich meinen Beruf und machte eine Kräuterausbildung bei einer Heilpraktikerin in Passau.  

Wie hat es dein Leben verändert?

Nach 2 Jahren Auszeit von meinem Beruf bin ich wieder in ein ambulantes Palliativteam zurückgekehrt. Ich arbeite Teilzeit und nach einer Woche Dienst,  der mich emotional fordert, gehe ich wieder in „meine Welt“. In meine „Seelenarbeit“ wie ich sie auch gerne nenne.
Es ist für mich einfach wichtig eine Balance zu haben. Mir geht es jetzt sehr gut und ich kann das Wissen auch in meinem Beruf einbringen.

Du hast am Anfang ja nur für dich und deine Familie Dinge hergestellt – wie kam es zu dem Laden und dem Verkauf?

Nach der Pflege meiner Tante  und nach meiner Ausbildung zur Kräuterexpertin habe ich  ein Laderl aufgemacht. Ich gab ihm den Namen „Natur und Begegnung“. Zuerst im Keller, mit Sachen, die ich selber hergestellt habe. Ich habe Zimmer ausgeräumt und liebevoll mit alten Möbel ausgestellt. Ich dachte mir ‚Fang mal klein an’, aber ich wusste nicht ob das was wird. Ich habe gar keine Werbung gemacht, nur in unserem Dorf in dem Gemeindeboten und durch Mundpropaganda. Es ist ganz langsam angelaufen, wurde aber immer mehr, aber nicht so, dass es mich überrollte.

Welche Produkte stellst du her?

Ich habe viele süße Aufstriche von den wilden Beeren: Preiselbeere, Waldbrombeere und Himbeere. Und einen Sonnenstahlenaufstrich mit Löwenzahn. Da sind die Blüten vom Löwenzahn in der Marmelade - da ist die Sonne gespeichert - für Momente in denen es uns nicht gut geht. Das ist herrlich. Aus den Beeren mache ich auch Liköre. Ich setzte auch ein Öl an mit Kräutern. Ich mache auch Wildkräutersalz, Rosenzucker und Sirupe – eben alles was im Garten wächst. Und dann geht es auch ins Medizinische. Ich setze z.B.  Johanniskrautöl an.

Wie stellst du deine Produkte her?

Ich pflücke alles selber. Alles was der Wald und die Wiese so hergibt. Das hat ein intensiveres Aroma als das vom Garten und das Gezüchtete sowieso. Die Rezepte habe ich von der Ausbildung  oder selber herausgefunden. Es kommen auch immer Leute mit Ideen auf einen zu und dann ergibt des Eine des Andere.

Neben deiner Herstellung machst du auch Führungen?

Ja, ich mache auch Wildkräuterführungen. Wie zum Beispiel letzte Woche. Es waren mehrere Interessierte bei mir, die ich in meinen Wildkräutergarten führte. Ich erklärte ihnen Erkennungsmerkmale und Verwendung bzw. Heilkraft der Wildkräuter. Anschließend  gab es kleine  Kräuterkostproben... Und natürlich gibt es gleich dazu Rezepte. Zum Abschluss gibt es jedes Mal ein Kräutermärchen.

 

Du pflückst alles selber, bei dir gibt es somit keine Garantie für eine Produktion?

Ja das stimmt, wobei die Gründe ganz unterschiedlich sind. Bei mir ist es grundsätzlich so, dass ich nicht die Riesenmenge habe. Ich arbeite Teilzeit und mache das in meiner Freizeit. Auch möchte ich nicht zu viel produzieren, denn wenn ich Druck habe macht es keinen Spaß. Und der ist wichtig. Deswegen sage ich auch immer, dass ich kreiere und nicht produziere. Ich sehe mich berufen, dass ich die Natur und was aus ihr hervorgeht wieder unter die Menschen bringe.  Ich finde, jede Pflanze ist ein Schatz aus der Natur und man muss damit achtsam umgehen. Barbara und Kathrin von Dreimalig habe ich das auch gesagt und sie unterstützen meine Philosophie.

Normalerweise streben Unternehmer ja nach Gewinnmaximierung, das ist bei dir nicht der Fall?

Ich freue mich natürlich, wenn jemand kommt und wenn Geld übrigbleibt, aber wenn ein Tag mal dazwischen ist, wo niemand kommt dann mache ich meine Sachen und dann ist es gut so. Es war einmal eine Freundin da, die mich gefragt hat: "Wieviel Leute waren heute schon in deinem Laden?" Und ich antwortete: "Drei". Und sie sagte: "Du tust ja so als wären Dreißig da gewesen." Und ich meinte: "Ich freu mich über die drei wie über die Dreißig."

Dein Laden ist bei dir zu Hause - stört dich das nicht?

Nein, ganz und gar nicht.  Es ist mir wichtig, dass Leute sehen wie ich wohne, dass ich auch das lebe was ich verkaufe, denn ich finde bei Vielen stimmt das nicht zusammen. Wie sie beruflich und privat sind. Und für mich muss das stimmig sein. Authentisch.

Was bedeutet deine Arbeit für dich persönlich?

Meine Familie und ich ernähren uns viel von der Natur. Es ist das Allerschönste, wenn ich mit dem Korb durch die Natur gehe und ein paar Beeren sammle - Heidelbeeren, Brombeeren, Himbeeren, ein paar Schwammerl und uns dann daraus etwas zaubere. Ich habe einen kleinen Acker, einen kleinen Garten, ich habe Hühner. Das ist nicht aus dem Supermarkt. Klar, da geh ich auch hin, aber dass wir größtenteils von dem leben was es in der Natur und im Garten gibt,  ist toll. Man kann sich alles kaufen, aber einen Gemüseauflauf aus dem Garten zu essen ist einmalig. Natürlich ist es sehr zeitaufwendig, aber wenn ich etwas pflücke und mir schon Gedanken mache was sich daraus mache steckt schon meine Energie drin und das schmeckt ganz anders.

Warum ist die Natur so wichtig für dich?

Es ist für mich Heimat und Wohlfühlen, und dahoam sein. Das tut meiner Seele gut, das ist innerer Frieden.
Generell finde ich auch, dass wir Jahrtausende lange Natur-Erfahrung haben, die im Gegensatz zu den Tabletten steht. Und ja klar, wir brauchen die Notfallmedizin, aber ich denke die chronischen Krankheiten sind so auf dem Vormarsch und wir sollten uns dagegen mit den Schätzen aus der Natur helfen. Wir müssen uns nur damit beschäftigen und einfach mit der Natur leben. Das kann uns helfen.

Hast du Träume?

Natürlich. Ich würde mir schon wünschen, dass sich meine Ideen und der Laden weiterentwickeln. Ich hoffe dass ich und meine Familie mit der Natur fit bleiben, dass ich mein Wissen weitertragen kann, dass ich das Menschen näherbringen kann, was wir machen können. Dass es ein mehr zurück zur Natur gibt. Zum Wesentlichen und Einfacheren.


Tipps von Karin Autengruber:

  • Nur soviel Wildkräuter pflücken, wie wir brauchen- die Natur nicht ausbeuten
  • Nur die Wildkräuter sammeln, die wir auch kennen, bei Unsicherheit bitte kundige Kräuterfrau/mann fragen
  • Gesammelte Kräuter in einen Korb geben- nicht in Plastikbeutel
  • Achtsamkeit und Dankbarkeit im Umgang mit der Natur
  • Löwenzahn kann man von Kopf bis Fuß verwenden. Als erstes werden die frischen Blätter, für den Salat oder ein Wildkräutersalz, benutzt, dann die schönen Blüten für Aufstriche. Im Herbst kann man die Wurzel für einen Verdauungslikör verwenden.
  • Generell sollte man dort pflücken, wo es noch Wiesen gibt die nicht gedüngt werden


Interview & Fotos: Evi Lemberger

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