EviEvi Lemberger 21. September 2019

Von der Wichtigkeit Geschichten zu erzählen

Klaus Bauernfeind und Magdalena Aufreiter über den Verein Bioregion Mühlviertel

Köglerhof, 16.April. 2018: Ganz auf dem Höhepunkt befindet er sich. Er, der Köglerhof . Im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Köglerhof befindet auf der Spitze des Hügels. An die enge Straße mündend steht ein kantiges Sichtbetongebäude. Grauschwarz die Fassade mit großen Fenstern, die für die im Restaurant Speisenden den Blick auf die gegenüberliegende Weide und Landschaften eröffnet. Das ist das Restaurant des Köglerhofes. Erst wenn man nach dem Restaurant um die Ecke biegt sieht man dem alten Bauernhof. 2 Stockwerke, länglich und angenehm unaufgeregt, mit einem Misthaufen im Vordergrund und einem Stall nebenan.

Der Köglerhof gehört zu den ersten Mitgliedern des Vereins Bioregion Mühlenviertel. Ein Verein der sich zur Aufgabe gemacht hat, nicht nur Bioproduzenten zu fördern, sondern auch zu vermarkten und dadurch sowohl den Bauern eine Plattform zu bieten, als auch für diese einen Markt zu schaffen.

Im Köglerhof treffe ich Klaus Bauernfeind und Magdalena Aufreiter, die in einem Interview von dem Verein, dessen Idee, Entwicklung und Auftrag die Landwirtschaft zu verändern, erzählt.

Magdalena und Klaus - könnt ihr euch bitte vorstellen?

Magdalena: Ich bin Magdalena Aufreiter und ich arbeite in der Geschäftsstelle des Vereins, die in der Stadt Freistadt liegt. Bioregion Mühlenviertel ist ein Verein,der aus einem von der Politik initiierten Regionalentwicklungsprojekt heraus entstanden ist und hat einen Vorstand, Mitglieder und einen Beirat.

Klaus, du bist der Obmann, du kannst mir wahrscheinlich etwas zu der Gründung von der Bioregion Mühlviertel erzählen?

Klaus: Die Bioregion gibt es seit 2010 und ist aus dem EU Förderprojekt Leader entstanden. Leaderregionen gibt es seit 2004 im Mühlviertel und sind Regionaleinheiten, die historisch bedingt sind. Regionen sind heute nach politischen Einheiten unterteilt und man vergisst ganz die kulturellen und historischen Gemeinsamkeiten. Ein Bewusstsein dafür zu schaffen ist die Aufgabe des Leaderprojektes. Auch war die ursprüngliche Aufgabe des Projektes die einzelnen Regionen und ihre Besonderheiten, wie zum Beispiel den Tourismus, zu fördern. Später entschied man, dass man ein Projekt über die einzelnen Regionen hinaus entstehen lassen möchte. Und so haben sich 2010 6 Leaderregionen zusammengeschlossen, die eine Förderung für ein gemeinsames Projekt erhielten. Aufgrund dessen wurde dann einen Prozess eingeleitet um herauszufinden was die Regionen zusammen auszeichnen und sie kamen zu dem Schluss, dass es die Grundkompetenz Bio war, aus dem sie ein gemeinsames Projekt entwickelten- die Bioregion Mühlviertel. Für dieses Projekt gab es dann finanzielle Mittel von Seitens der Politik, jedoch hatte es den Anspruch 2015 in einen eigenständigen Prozess überzugehen.

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Wie waren die Anfänge der Bioregion Mühlviertel?

Die Politik plante möglichst viele Mitglieder gleichzeitig zu rekrutieren und jeder, der einen Biokontrollvertrag hat, durfte mitmachen. Sie mussten auch keinen Mitgliedsbeitrag bezahlen und so gab es sehr schnell viele Mitglieder. Jedoch wusste man, dass ab 2015 ohne Fördergelder funktioniere musste. Dass die Mitglieder dann mitzogen hat ungewöhnlich gut funktioniert, denn klar- wer einen Verein ohne Mitgliedsbeitrag zahlen zu müssen beitrittst und dann plötzlich doch – das ist schon schwierig, denn da trennt sich die Spreu vom Weizen. Dies hat aber wie gesagt sehr gut funktioniert.

Wer ist denn Mitglied in eurem Verein?

Am Anfang stand die Idee Mitglieder im Bereich Biolandwirtschaft zu suchen im Mittelpunkt. Dann sind auch verarbeitende Betriebe dazugekommen - wie eine Brauerei oder unser Betrieb, zu dem zu der Zeit ein Restaurant hinzukam. Wir haben also eine sehr große Breite an unterschiedlichen Betrieben dabei, weil wir einerseits produzierende, zum anderen vermarktende Betriebe in dem Verein haben. Das ist auch der Beweggrund für mich warum mein Unternehmen Mitglied ist. Dieser Verein erschafft eine Wertschöpfungskette, in dem Betriebe wie wir überleben können. Was ist die Aufgabe des Vereines? M: Hauptsächlich möchte der Verein die Mitglieder untereinander vernetzen. Dann erfüllt es aber auch noch die Funktion die Unternehmen zu präsentieren. Die Mitglieder Haben die Möglichkeit durch die BioRegion vermarktet zu werden, wie zum Beispiel auf unserer Website.

Was ist denn die ‚Hallo Mühlviertelbox’?

M: Mittlerweile kann man auch Mitglied werden, ohne dass man selber etwas produziert. Diese müssen dann einen Mitgliedsbeitrag zahlen und bekommen als Gegenleistung dreimal im Jahr eine Box mit Produkten aus der Bioregion. Diese bekommt man nur, wenn man Mitglied ist. Es gibt einen Winter-, eine Frühlings- und eine Sommerbox. Außerdem liegt der Box ein Begleitheft bei mit Fotos und Geschichten, denn wir möchten immer den Menschen dahinter darstellend. Das ist nämlich unsere Stärke: Produkte mit Gesicht zu haben.

K: Ich denke, wir können Face to Face richtig gute Geschichten erzählen und den Kunden davon überzeugen, dass unsere Ideen besser sind als die von den Anderen. Ich glaube die Aufgabe, die wir in der Landwirtschaft zu bewältigen haben sind nicht mehr im produzierenden Bereich. Wir wissen wie wir produzieren müssen. Was unsere Aufgabe ist, ist Märkte zu sichern und nicht jemand anderen das zu überlassen.

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Ihr habt innerhalb eures Vereines eine Wanderausstellung initiiert und kreiert. Was ist das genau?

M: Es gibt eine von der Bioregion initiierte Wanderausstellung. Die ist sehr groß und kann sich von Schulen ausgeliehen werden und so können die Schüler etwas über die Ernährung und Bio lernen. Das ist wichtig, denn ein Problem, das viele haben, ist, dass Leute falsche Wertigkeiten haben und man ihnen zeigen muss, dass es z. B. Sinn macht, dass man mehr Geld in dem Konsum von Nahrungen ausgeben sollte.

Du erwähnst immer wieder die Wichtigkeit Geschichten zu erzählen. Warum ist es so wichtig?

K: Ich glaube es ist wichtig, da sich Menschen mit dem Produkt identifizieren. Das Autounternehmen, von dem ich mein Auto habe, ist ein gutes Beispiel. Ich bekomme von denen immer Werbung und in dieser wird mir das Gefühl suggeriert ich wäre ein Familienmitglied. Und das müssen wir auch schaffen. Wir sehen schon jetzt, wenn der Konsument direkt angesprochen ist, ist der Preis sekundär. Eine kleine Brauerei kann nicht mit einer Großen konkurrieren, jedoch können wir Geschichten erzählen, die uns attraktiv machen. Und das hilft uns unsere Märkte zum einen zu schaffen und sicher, zum anderen den Preis zu bestimmen.

Wie läuft der Arbeitsprozess in eurem Verein?

K: Es gibt formelle und informelle Wege. Die formellen Wege sind die üblichen über den Vorstand, Obmann und Kassierer. Die operativen Tätigkeiten liegen bei Magdalena. Die informellen Wege passieren vorher, wenn sich drei bis vier Leute treffen und Entscheidungen vorbereiten. Das ist wichtig, da der Vorstand zu groß ist um diesen Teil zu übernehmen. Ach ja und wir haben auch ein Gremium, die sogenannte Perspektivengruppe.

Was ist denen die Perspektivengruppe?

K: Die Perspektivengruppe ist aus einer lustigen Idee heraus entstanden. Es gibt immer Menschen in einer Gruppe die sehr quirlig und voller Ideen sind. Wenn man diese in einer Vollversammlung hat, denkt man sich immer: Der ist ein richtig Querdenken, den verstehe ich nicht. Die Perspektivengruppe ist genau für diese Personen gedacht. Und in dieser Gruppe entstehen Ideen. Die Perspektivengruppe trifft sich öfter- letztes Jahr hatten wir eine Sitzung. In der werden Ideen diskutiert. Die Fertigen werden dann dem Vorstand vorgelegt.

Gibt es bei deinem eigenen Unternehmen eine Entwicklung, die dich zu diesen Ideen gebracht hat?

K: Ja natürlich hat mich mein eigener Betrieb dazu gebracht. Ich war vorher Krankenpfleger. 1996 haben wir den Hof in Leibrente übernommen. Eine Leibrente ist eine Übernahme eines Betriebes, in dem man sich verpflichtet sich um die vorherigen Besitzer zu kümmern und ihnen eine Rente zu bezahlen. Wir haben die Landwirtschaft übernommen und da sie so wie sie war nicht mehr existenzfähig war mussten wir uns überlegen wie wir es machen. 2000 ist mein kleinste Sohn auf die Welt gekommen. Im Zuge dessen haben wir beschlossen, wir müssen einen Arbeitsplatz kreieren- für mich oder meine Frau, um die Möglichkeit zu haben daheim zu bleiben. So haben wir ein Konzept geschrieben, was wir alles haben und was wir noch. Wir haben festgestellt, dass wir Produktionstechnisch keine großen Sprünge machen können, aber dafür auf der Wertschöpfungsseite. Deswegen haben wir diese Seite sehr gut entwickelt und wir haben zum Beispiel unser eigenes Restaurant aufgemacht um, die Möglichkeit zu haben unsere eigenen Produkte selber zu verbrauchen. Und dann ist die Produktion und Zusammenarbeit mit anderen ins Spiel gekommen, weil ich kann gar nicht so viel produzieren kann wie ich im Restaurant brauche. So habe ich zusätzliche Arbeitsplatz geschaffen. Wir haben mittlerweile 4 Angestellte.

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Du sprichst von der Wertschöpfungsseite- was meinst du damit?

K: Mit Wertschöpfungsseite meine ich, was wir nachhaltig alles erschaffen können. Arbeitsplätze schaffen ist einer der Faktoren. Und das ist eine sehr wirtschaftliche Perspektive, denn, wenn ich neue Arbeitsplätze schaffe fördere ich die Wirtschaft. Trotzdem geht es uns aber immer um das Leben und die Menschen dahinter. Ich glaube, das Grundproblem liegt in der Landwirtschaft. Man stellt sich innerhalb dieses Bereichs immer die Fragen nach dem Input. Wieviel produziert man und es muss immer mehr sein. Es wird aber nie gefragt, was aus dem Produkt wird und übergibt das anderen Personen. So entsteht eine Abhängigkeit, die nicht nötig wäre. Wenn wir mal die Fragen nach dem Output stellen würden, würden wir andere Fragen stellen. Zum Beispiel was bekommst du an Lebensqualitäten heraus.

Woher hast du diese Erkenntnisse?

K: Aus dem Leben. In der Landwirtschaft hast du jedes Jahr wieder die Möglichkeit das Gleiche zu erleben und nochmal alles durchzuspielen. So kann man wohl am besten lernen. Wann hast du das schon im Leben?

Was sind eure Ziele?

K: Dass wir das Netzwerk und den Verein so gut ausgearbeitet haben, dass wir soviel Geld verdienen, dass sich der Verein von selber trägt. Das ist unser Hauptgrund.



Interview & Fotos: Evi Lemberger

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