InesInes Häberlein 19. März 2019

Gut Ding braucht Weile

Qualität durch ehrliches Handwerk und langjährige Tradition - Das Weberhandwerk im Wegscheider Land

Wegscheid im Landkreis Passau.

Es ist Ende Januar: Johannes Moser führt mich durch das heimelig knarzende Treppenhaus zu den Werkstätten. Als wir eintreten, schlägt mir unglaublicher Lärm entgegen und obwohl ich mit Lautstärke gerechnet habe, zucke ich unwillkürlich leicht zusammen. Aber schon nach kurzer Zeit stört mich das kaum noch. Hier stehen Webstühle, die über hundert Jahre alt sind, und sie beeindrucken mich sehr. Noch mehr beeindruckt es mich, wie die Fäden fließen und alles ineinandergreift, so schnell huschen Schiffchen und Hände hin und her, dass das Auge kaum folgen kann. Vorsichtig, fast andächtig, befühle ich die schönen Stoffe, die hier noch halbfertig in den Webstühlen eingespannt sind. Johannes Moser erklärt mir vieles und ich staune über diese alte Handwerkskunst.

Wie kam Ihre Familie zur Webertradition?

Früher stand ja in fast jeder Bauernstube hier im Wegscheider Land ein Webstuhl, so konnten sich die Leute was dazuverdienen und ihren eigenen Bedarf decken. Mit der Industrialisierung hat sich das Handwerk aber für viele nicht mehr gelohnt. Unser Vater hat mit bescheidenen Mitteln eine Weberei im elterlichen Nebengebäude gegründet. Das war Ende des zweiten Weltkriegs. Ein Unternehmen mit zwei Webstühlen und viel Idealismus. 1954 hat er dann hier in Wegscheid ein altes Bauernhaus gekauft und in den folgenden Jahrzehnten zur heutigen Handweberei Moser ausgebaut. Die Liebe zum Handwerk und zur Tradition spiegelten sich in der Qualität seiner Arbeit wider. Mein Bruder und ich haben die Weberei schließlich übernommen und wir wollen diese Auffassung weiterleben lassen. Mit 16 Webstühlen ist unser Betrieb einer der größten Traditionsbetriebe Deutschlands.

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Welche Produkte stellt ihr her?

Wir weben Schafwollteppiche aus Moorschnuckenwolle, Wollgarn- und Fleckerlteppiche mit einer Breite bis zu drei Metern. Außerdem Tischdeckenstoffe in Reinleinen und Halbleinen, Vorhangstoffe in Reinleinen und Baumwolle, Möbelstoffe aus reiner Wolle, Trachtenwollstoffe und die Goldbänder für die Linzer- bzw. Passauer Goldhaube.

Wie gestaltet sich der Verkauf und die Aquise?

Wir verkaufen zu 90 % an Privatkunden in ganz Deutschland und den angrenzenden Ländern. Aber wir haben nur ein Ladengeschäft, und das ist hier in Wegscheid. Natürlich haben wir auch eine Webseite, über die man sich sehr gut informieren kann, jedoch verzichten wir bewusst auf einen Onlineshop, weil uns einfach der persönliche Kontakt sehr wichtig ist. Wir versenden auch Originalmuster, damit der Kunde Originalfarben und Muster sehen kann und vor allem auch fühlen kann.

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Auf was legen Ihre Kunden besonderen Wert?

Wir stellen fest, dass unseren Kunden Nachhaltigkeit sehr wichtig ist. Ihnen liegt am Herzen, dass die Produkte in Deutschland gewebt werden. Wir haben ein bisschen das Gefühl, dass in den letzten Jahren die Menschen wieder mehr auf Wertigkeit achten beziehungsweise sich dafür wieder das Bewusstein entwickelt.

Welche Rohstoffe verwenden Sie und woher stammen sie?

Wir verwenden Schafwolle aus Deutschland und Österreich, das Leinengarn kommt aus Italien oder Irland und für unsere Trachtenstoffe verwenden wir Kammgarn aus Österreich. Außerdem beziehen wir unser Baumwollgarn von deutschen Spinnereien.

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Wie beschreiben sie den Unterschied zwischen Leinen und Baumwolle?

Leinen wird noch in Europa angebaut und für den Anbau muss weniger Wasser eingesetzt werden, wodurch Leinen viel ökologischer ist. Leinen besitzt einen sehr schönen Glanz und ist zudem kühler als Baumwolle, deswegen wird es auch oft für Bettwäsche benutzt.

Was ist das Besondere an einem Familienunternehmen?

Das Besondere an einem Familienunternehmen sind die kurzen Entscheidungswege, die Flexibilität und die Bereitschaft, auf den Kunden einzugehen. Und natürlich dass wir hier keine Massenware herstellen

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Was wünschen sie sich für die Zukunft?

Viele weitere treue und nette Kunden, die die Wertigkeit des Handwebens schätzen



Fotos & Interview: Ines Häberlein

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