EviEvi Lemberger 24. Mai 2019

Josef Fromholzer und sein Schatz

Einen Schatz an Druckstöcken oder Modeln hat der Färber- und Blaudruckermeister Josef Fromholzer, der auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblickt. Muster, die in ihrer Zeitlosigkeit auch die Menschen heute noch ansprechen. Josef Fromholzer – einer der letzten Textildrucker aus Ruhmansfelden.

 

„Mein Alter dürfen Sie aber nicht aufschreiben“ - Wenn Josef Fromholzer solche Sachen wie diese sagt, ist nicht ganz klar, ob es sarkastisch oder ernst gemeint ist. Seine Mundwinkel lächeln freundlich, seine Augen sind aufmerksam auf einen gerichtet. Eben ein Verkäufer aus dem FF.

Josef Fromholzer ist der Besitzer der Textildruckerei Fromholzer in Ruhmannsfelden, einem gut 2000 Einwohner starken Dorf im Oberen Bayerischen Wald. Beide sind schon seit Jahrhunderten mit der Färberei verbunden: Das Dorf, das in einer Gegend mit Flachsanbau und Leinenweberei lag, und Josef Fromholzer, der mit seiner Familie seit mehr als 400 Jahren, zuerst in Vilshofen und seit 1821 in Ruhmansfelden angesiedelt war und zu den ältesten Färbergeschlechtern in Ostbayern gehörte.

Fromholzer ist eine Textildruckerei. Eine der wenigen, die es noch gibt. Früher gab es viele mehr. Zum Beispiel in München: ‚Da gab es Anfang der 90er noch vier Betriebe. Einer hatte sogar 30 Lehrlinge.’ Wie die Firma Wallach aus München, für die die Fromholzer in Ruhmannsfelden schon in den 20er Jahren druckten und die 1985 an Loden Frey überging. 2003 schlossen sie und die Fromholzer bekamen über 400 Muster an Siebdrucken.

Sein Mitarbeiter Willi wartet auf ihn im Druckraum. Seit 40 Jahren sei er schon bei ihm, zuerst in Lehre und dann als Angestellter. Willi sei ein ganz tüchtiger Mann. Und er habe Witz. Das schätzt Josef Fromholzer an ihm. Neben ihm gäbe es noch drei Mitarbeiterinnen für den Laden und für das Nähen.

Der Druckraum ist nicht weit entfernt. Nur ein Gang, ein Stockwerk Treppen nach oben, noch einmal den Gang neben dem raumhohen Kreuz entlang und dann noch ein paar Treppen nach unten. Herr Fromholzer geht langsam aber stetig. Sein Rücken gebückt – eine Kriegswunde vom 15.3.1945 in Pommern.

 

Textilfärber brauchen Platz. Viel Platz, für die langen Bahnen an Stoff, zum Ausbreiten und Spannen. Die Druckstube hat einen 20-Meter-Tisch. Daneben aufeinandergetürmt im Regal die Stempel. Große, 50 x 50 cm hölzerne Stempel. Einen darf ich mir aussuchen, denn heute wird gedruckt. Dort drüben seien die Stoffe. Und die Druckfarbe sei zu wählen. Obwohl, das war klar - denn was wäre besser als Indigo?

Indigo oder auch der Blaudruck hat seine eigene, ganz spezielle Geschichte in der Textildruckerei. Blaudruck gibt es schon seit Jahrhunderten in Deutschland. Zuerst wurde der Farbstoff aus dem Färberwaid gewonnen, dann übernahm im 17. Jahrhundert mit den geöffneten Seewegen nach Indien der brilliantere Indigo, der „König der Farbstoffe“, den Markt. Ende des 19.Jahrhunderts kamen Firmen wie die BASF, die den 1878 erfundenen synthetischen Farbstoff, der noch blauer war als der Indigo aus Indien und intensiver gefärbt hat, industriell herstellten. Die Farbdruckerei sei „in die moderne Chemie eingegangen“. Wenn Josef Fromholzer über seinem Fachbereich spricht wechselt er fachmännisch ins Hochdeutsche.

Herr Fromholzer mischt die Farbe. Willi holt in der Zwischenzeit Modelstempel aus den Regalen. Wie der hier, der die Gewächse, aus denen damals Leinen gemacht wurde, zeigt. Es ist ein Holzstempel, die einzelnen Formen hineingeritzt. Die Familie Fromholzer hatte immer schon viele Stempel.  Dann wurde angekauft, aus alten Werkstätten in ganz Ostbayern, und der Bestand wurde erheblich vergrößert. 3000 sind es mittlerweile, manche davon sind 250 Jahre alt, die jüngsten 50. Druckt man mit älteren, kann es passieren, dass man kleine Ungereimtheiten auf den Stoff bemerkt. Blumen die nur halbe sind, Weberschiffchen, deren Abschlussränder nicht mehr durchgängig sind. Nichts Großartiges. Resultate der Zeit.

Beim Modeldruck wird Farbe auf den Stempel aufgetragen. Dazu taucht man den Stempel oder auch Model genannt in die gepolsterte Chassis, achtet auf gleichmäßiges Benetzen und drückt ihn dann auf den Stoff. Dünne Stifte an den Ecken des Stempels garantieren die Geradlinigkeit. Wo genau man ansetzen muss? Das lernt man und über die Jahre bekommt man ein Gefühl dafür. Dann wird der Stempel vorsichtig weggenommen und nach erneutem Benetzen auf das nächste Stück Stoff gedrückt. Stück für Stück. Willi zeigt mit seinem Finger in die Mitte des bedruckten Stoffes. Hier wird der Stempel in die Richtung weg von der Mitte angelegt. Auf der anderen Seite umgekehrt. So könne jeder am Tisch das Muster richtig herum sehen. Willi macht seinen Job sehr gerne, ein Handwerk für sich.

 

Herr Fromholzer telefoniert mit einer Kundin bezüglich des Papageienstoffs. Ein vierfarbiger Druck, das Muster von Wallach. Ganz einfach sei das nicht und vor allem langwierig. ‚Ja das ist schwierig, weil der Druck vierfarbig ist. Der ist ziemlich zeitaufwendig...’ Josef Fromholzer hält das Telefon nah an sein Ohr, stützt sich auf den Tisch ab. Jede Farbe benötigt einen Arbeitsschritt und Zeit. Umso mehr Farbe umso mehr Zeit. Egal wieviel Stoff man machen würde.

Zu den überlieferten alten bäuerlichen Mustern kamen auch neue Entwürfe von Künstlern wie Walter Mauder oder Paul Ernst Rattelmüller hinzu. Oder auch die Muster der Firma Wallach, die Siebdrucke hatten. Dies wurde in Ergänzung zum Handmodeldruck eingeführt. Schablonen mit Drucken wie etwa die Tölzer Rose oder das Papageienmuster. Schwungvolle, auch filigrane und zeichnerisch detailreiche Muster, die im starken Kontrast zu den zeitlos klassischen und nicht so raumbeherrschenden Fromholzer-Mustern stehen. Zumindest findet das Herr Fromholzer. ‚Raumbeherrschend? Mei‚ wie soll ich Ihnen des erklären?’ Eben nicht so große Drucke. Josef Fromholzer schaut kurz verwundert, lächelt dann wieder freundlich.

Josef Fromholzer ist aus dem Bayerischen Wald. Als eines von drei Geschwistern ist er in dem Betrieb aufgewachsen, hat wie die Anderen die Gesellenprüfung für Druckerei und Blaudruck gemacht. Danach hat er das staatliche Technikum für Textilindustrie in Reutlingen besucht. „Dort habe ich das Gesamtgebiet der Textilveredelung gelernt und dadurch hat sich die Druckerei nach dem Stand der Technik weiterentwickelt.“ 1943 wurde er in den Krieg eingezogen und war in Belgien und England in Kriegsgefangenschaft. Dann kam er zurück. Arbeitete in dem Betrieb und machte dann eine Reinigung in Regen auf. ‚Jeder meinte das wäre gut für uns’. Das war in den 60er Jahren. In der Handdruckerei konnte er sich immer auf seine Brüder Xaver und Alois verlassen, die 2002 und 2008 gestorben sind.

Willi zeigt mir den letzten Teil der Druckerei Fromholzer. Das große zweite Haus, mit den zwei Stockwerken, mit den langen Tischen, den großen Maschinen, die zum Färben, Fixieren und Waschen da sind.  Die kleinen Räume direkt unter dem Dach mit den Schränken voller dunkelbrauner Stempel, die handgeschrieben mit Nummern gekennzeichnet sind. Willi erzählt wie viel Wissen sein Chef hat, dass es wenige gibt, die so ein Wissen überhaupt noch besitzen. Und soviel Erfahrung. Will ist stolz auf seinen Chef und den Betrieb.

Josef Fromholzer gefällt was er tut. Er lässt sich immer noch begeistern, von dem Wissen für Farbe, für Muster, für Technik. Nach all den Jahren der Arbeit. Freizeit und Rente gibt es für ihn nicht. Ganz unabhängig von seinem Alter. Ein wahrer Schatz.

Text und Fotos: Evi Lemberger

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Kontakt

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Marktstraße 1
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